Die Rathaussanierung

Marl richtet den Blick nach vorn. In den kommenden Jahren wird das Stadtzentrum mit einer Vielzahl von baulichen und sozialen Maßnahmen umfassend aufgewertet (siehe Handlungskonzept Stadtmitte). Herzstück ist die energetische und barrierefreie Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses, das zu den bedeutsamen Gebäuden der Nachkriegsarchitektur gehört und als Inbegriff demokratischer Baukultur gilt.

Rathaus soll Bürgerhaus werden

Am 22. Oktober 2015 hat der Stadtrat die vollständige Erneuerung des Gebäudes und die Umgestaltung zu einem Bürgerhaus ("soziales Rathaus") beschlossen. Im sogenannten "sozialen Rathaus" sollen u.a. ein Café entstehen, es soll Platz bieten für die offene Kinder- und Jugendarbeit, für niederschwellige Familienbildung sowie für nachbarschaftliche Aktivitäten. Auch die Spieliothek, das Quartiersmanagement und ein Beratungsbüro des Jobcenters sollen hier einziehen.

Das Skulpturenmuseum Glaskasten, das die Räume unter dem Sitzungstrakt bislang nutzt, soll in die ehemalige Hauptschule an der Kampstraße umziehen. In dem früheren Schulgebäude entsteht das kulturelle Begegnungs- und Erlebniszentrum "Marschall 66", in dem auch die Stadtbibliothek ein neues Zuhause finden und die insel-VHS und die städtische Musikschule ausgewählte Kurse anbieten werden. 

Vor dem Ratsbeschluss hatte die Stadtverwaltung mehrere Untersuchungen in Auftrag gegeben. Seit September 2018 liegt eine plausibilisierte Kostenberechnung vor. Danach belaufen sich die Sanierungskosten auf etwa 70 Millionen Euro. 

Klage vor dem Verwaltungsgericht

Ein Bürgerbegehren, das sich gegen die Rathaussanierung richtet, hat der Rat der Stadt Marl - gestützt auf die juristische Expertise einer auf öffentliches Recht spezialisierten Anwaltskanzlei - am 11. April 2019 für unzulässig erklärt. Gegen den Ratsbeschluss haben die Gegner der Rathaussanierung Klage vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingereicht.

"Keine Alternative zum Auszug aus dem Rathaus"

Mit der Verlagerung des insel-Volkshochschule an die Wiesenstraße sowie des Bürgerbüros und weiterer Abteilungen des Amtes für Bürgerdienste in das Einkaufszentrum Marler Stern (Das Bürgerbüro befindet sich am Bürgerforum zwischen Stadtbibliothek und der städtischen Spieliothek) hat der Auszug der Rathaus-Mitarbeiter in andere städtische Gebäude begonnen. Als zusätzliches Ausweichquartier hat die Stadt Marl die beiden Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Auguste Victoria 3/7 erworben. Die stark nachgefragten Dienstleistungen werden auch in Zukunft zentrumsnah angeboten. So werden das Jugend- und das Sozialamt in das Verwaltungsgebäude in der Liegnitzer Straße („Bauturm“) einziehen und die Bauverwaltung vor dort auf das ehemaligen Zechengelände an die Carl-Duisberg-Straße umziehen.  Nach Auffassung von Bürgermeister Werner Arndt gibt es keine Alternative zum Auszug der Mitarbeiter aus dem Rathaus. „Die räumliche Situation im Rathaus ist aufgrund des Sanierungsbedarfs für Besucher und Beschäftigte nicht länger zumutbar“. 

 

2015

Erstes Gutachten: Bewertung der Handlungsalternativen

Im April erstellen die Assmann-Gruppe (Dortmund), eines der führenden Planungs- und Beratungsunternehmen im Bauwesen in Deutschland, und der Deka Kommunal Consult GmbH (DKC), die Kommunalberatungsgesellschaft der Deka Bank, ein erstes Gutachten und kommen mit Unterstützung der verwaltungsinternen Arbeitsgruppe zu zwei zentralen Ergebnissen: Die Sanierung des Rathauses ist „nach allen methodischen Betrachtungen wirtschaftlicher als ein Neubau an gleicher Stelle“, und auch die bauliche und finanzielle Umsetzung in Kooperation mit einem privaten Vertrags­partner („Paketlösung“) rechnet sich. In Zahlen bedeutet das: Die für die nächsten Jahre prognostizierten Kosten für die Sanierung belaufen sich bei der Paketlösung auf knapp 39 Millionen Euro gegenüber ca. 50,5 Millionen Euro für einen Neubau. Die Kosten für die Sanierung bzw. einen Neubau in städtischer Regie würden dagegen 44,6 Mio. Euro bzw. fast 58 Mio. Euro betragen. Die Stadt, so die Empfehlung aus dem Gutachten, sollte demnach eine Sanierung angehen und als Komplettpaket ausschreiben.

Ratsbeschluss

Am 22. Oktober beschließt der Rat der Stadt die Sanierung des Rathauses. 

Denkmalschutz

Ende des Jahres wird das Rathaus auf Anordnung von Landrat Cay Süberkrüb unter Denkmalschutz gestellt. Auch der Creiler Platz "samt bauzeitlichem Mobiliar" (Wasserbecken, Uhr, Bänke, etc.) ist künftig als Denkmal zu behandeln. Der Rat hatte sich zuvor mehrfach gegen die Aufnahme in die Denkmalliste ausgesprochen.

2016

Zuwendungsbescheid

Im Oktober erhält die Stadt einen Zuwendungsbescheid über 4.045.000 Euro, der ihr von der Bezirksregierung Münster überreicht wird. Das Geld stammt aus dem Fördertopf des Landes Nordrhein-Westfalen für den Stadtumbau West und ist für Planungsleistungen zur energetischen und barrierefreien Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses bestimmt. Damit werden die Planungsleistungen zu 80 Prozent vom Land gefördert.

Vertrag über Planungsleistungen

Im Dezember unterschreibt Bürgermeister Werner Arndt einen Vertrag über die Planungsleistungen mit Gerhard G. Feldmeyer, dem Geschäftsführer der HPP International Planungsgesellschaft mbH. HPP hatte im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten. 

2017

Interimslösung

Im Juli beschließt der Rat, Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Auguste Victoria zu kaufen. Während der Rathaussanierung soll ein großer Teil der Stadtverwaltung dort hin umziehen. 

Kostenschätzung

Im November legt der Generalplaner der HPP International Planungsgesellschaft eine Kostenschätzung vor. Ergebnis: Die Sanierung wird teurer als geplant. Die Gesamtkosten erhöhen sich von ursprünglich 44,6 Millionen Euro auf 54,7 Millionen Euro.  

2018

Plausibilisierte Kostenberechnung

Im September liegt erstmals eine plausibilisierte Kostenberechnung vor. Die schlechte Nachricht ist: Der Sanierungsaufwand erhöht sich auf insgesamt ca. 70 Millionen Euro.

Bürgerbegehren

Im Dezember lässt die Stadtverwaltung zwei Bürgerbegehren von einer Anwaltskanzlei für öffentliches Recht prüfen. Ergebnis: Die Bürgerbegehren sind rechtlich nicht zulässig. 

2019

Prüfung auf Zulässigkeit

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Rathaussanierung stoppen!“ reichen am 20. Februar 2019 insgesamt 5.144 Unterstützungsunterschriften ein. Die Prüfung des Begehrens durch die Stadtverwaltung ergab: Das erforderliche Quorum (4.118) wird erreicht, das Begehren ist rechtlich aber unzulässig, weil es nicht rechtzeitig eingereicht wurde und außerdem die Fragestellung zu ungenau ist. Die Verwaltung empfiehlt dem Rat der Stadt, die Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens festzustellen.