Sanierung des Rathauses ist "ermutigendes Signal des Aufbruchs"

Marl richtet den Blick nach vorn. In den kommenden Jahren wird das Stadtzentrum mit einer Vielzahl von baulichen und sozialen Maßnahmen umfassend aufgewertet (siehe Handlungskonzept Stadtmitte). Herzstück ist die energetische und barrierefreie Sanierung des denkmalgeschützten Rathauses, das zu den bedeutenden Gebäuden der Ruhrmoderne gehört und als "Symbol demokratischer Baukultur" gilt.

Rathaus wird runderneuert und zu einem Haus der Begegnung

Am 22. Oktober 2015 hat der Rat der Stadt die Runderneuerung des Gebäudes und die Umgestaltung zu einem Haus der Begegnung beschlossen. Nach intensiver Vorbereitung werden das Zentralgebäude und die beiden Verwaltungstürme von Grund auf erneuert. Die Türme, die - als erste Bauten ihrer Art in der Bundesrepublik Deutschland -  als Hängehochhäuser errichtet wurden, werden vollständig entkernt. Die Sanierung des Sitzungstraktes mit dem repräsentativen Foyer und den Situngssälen beginnt 2022. Die Räume im glasumbauten Erdgeschoss und im Souterrain, in denen das Skulpturenmuseum Glaskasten ausgewählte Exponate seiner Sammlung zeigt, werden zu einem Begegnungsort mit Café, Angeboten für die offene Kinder- und Jugendarbeit, für niederschwellige Familienbildung sowie für nachbarschaftliche Aktivitäten. Auch die städtische Spieliothek mit der Spieleausleihe und das Quartiersmanagement für das Stadtzentrum sollen hier einziehen. 
Das Skulpturenmuseum Glaskasten zieht in die ehemalige Hauptschule an der Kampstraße um. In dem früheren Schulgebäude entsteht der kulturelle Begegnungs- und Erlebnisort "Marschall 66", in dem auch die Stadtbibliothek ein neues Zuhause finden und die insel-VHS und die städtische Musikschule ausgewählte Kurse anbieten werden. 

Bürgerbegehren ohne Erfolg

Ein Bürgerbegehren, das sich gegen die Rathaussanierung richtete, hat der Rat der Stadt Marl - gestützt auf die juristische Expertise einer auf öffentliches Recht spezialisierten Anwaltskanzlei - am 11. April 2019 für unzulässig erklärt. Der Beschluss des Rates wurde später vom Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in mündlicher Verhandlung bestätigt.

Bauarbeiten starten im November 2020

Die Sanierung des Rathauses startet im November 2020 mit der Einrichtung der Baustelle. 2024 soll das sanierte Rathaus wieder bezogen werden. Für die Ämter im Rathaus waren zuvor Ausweichquartiere gefunden und hergerichtet worden. Als neuer  Standort kamen die Verwaltungsgebäude der ehemaligen Schachtanlage Auguste Victoria 3/7 hinzu. Damit ist die Verwaltung jetzt auf drei Stadthäuser verteilt: das Stadthaus 1 (ehemals AV 3/7), das Stadthaus 2 (das sogenannte Riegelhaus am Einkaufszentrum Marler Stern) und das Stadthaus 3 (der sogenannte Bauturm in der Liegnitzer Straße). Die intensiver nachgefragten Dienstleistungen werden weiterhin zentrumsnah angeboten.

"Ermutigendes Signal des Aufbruchs"

Für die Sanierung hatte die Stadt mehrere Untersuchungen in Auftrag gegeben. Seit September 2018 liegt eine plausibilisierte Kostenberechnung vor. Danach belaufen sich die Sanierungskosten auf etwa 70 Millionen Euro. Bisher wurden mehr als 10. Mio. Euro Fördermittel vom Bund und Land bewilligt, weitere Zuwendungen in Aussicht gestellt. 
Die Sanierung des Rathauses sei "eine Investition von regionaler Bedeutung" und ein "ermutigendes Signal des Aufbruchs in schwieriger Zeit", sagt Bürgermeister Werner Arndt. Er ist überzeugt, dass die Sanierung des Rathauses wichtige Impulse zur Umsetzung des Handlungskonzeptes für die Stadtmitte geben und zusätzliche private Investitionen anstoßen wird. Arndt: "Marl ist eine Stadt mit großem Potenzial".  

 

Kleine Chronologie der Rathaussanierung

2015

Bewertung der Handlungsalternativen

Im April kommen die Assmann-Gruppe (Dortmund), ein Planungs- und Beratungsunternehmen im Bauwesen, und die Deka Kommunal Consult GmbH, die Kommunalberatungsgesellschaft der Deka Bank, im Rahmen einer ersten gutachterlichen Betrachtung zu dem Ergebnis, dass eine Sanierung des Rathauses „nach allen methodischen Betrachtungen wirtschaftlicher als ein Neubau an gleicher Stelle“ sei. Die prognostizierten Kosten für eine Sanierung belaufen sich bei einer Kooperation mit einem privaten Partner („Paketlösung“) auf knapp 39 Millionen Euro gegenüber ca. 50,5 Millionen Euro für einen Neubau. Die Stadt, so die Empfehlung, sollte demnach die Sanierung angehen und als Komplettpaket ausschreiben.

Ratsbeschluss

Am 22. Oktober beschließt der Rat der Stadt die Sanierung des Rathauses. 

Denkmalschutz

Ende des Jahres wird die Stadt Marl angewiesen, das Rathaus unter Denkmalschutz zu stellen. Auch der Creiler Platz "samt bauzeitlichem Mobiliar" (Wasserbecken, Uhr, Bänke, etc.) ist künftig als Denkmal zu behandeln. Der Rat hat sich zuvor mehrfach gegen die Aufnahme in die Denkmalliste ausgesprochen.

2016

Zuwendungsbescheid

Im Oktober erhält die Stadt Marl aus dem Förderprogramm Stadtumbau West des Landes Nordrhein-Westfalen einen Zuwendungsbescheid über 4.045.000 Euro für Planungsleistungen zur energetischen und barrierefreien Sanierung des Rathauses. Damit werden die Planungsleistungen zu 80 Prozent vom Land gefördert.

Vertrag über Planungsleistungen

Im Dezember schließt die Stadt Marl einen Vertrag über Planungsleistungen mit der HPP International Planungsgesellschaft mbH. HPP hat im Rahmen einer EU-weiten Ausschreibung den Zuschlag erhalten. 

2017

Interimslösung

Im Juli beschließt der Rat, Verwaltungsgebäude auf dem Gelände des ehemaligen Bergwerks Auguste Victoria 3/7 zu kaufen. Während der Rathaussanierung werden Ämter der Stadtverwaltung dorthin umziehen. 

Erste Kostenschätzung

Im November legt der Generalplaner der HPP International Planungsgesellschaft eine Kostenschätzung vor. Die Sanierungskosten erhöhen sich von ursprünglich 44,6 Millionen Euro auf 54,7 Millionen Euro.  

2018

Plausibilisierte Kostenberechnung

Im September liegt erstmals eine plausibilisierte und belastbare Kostenberechnung vor.  Der Sanierungsaufwand erhöht sich auf insgesamt ca. 70 Millionen Euro. Ursachen dafür sind erforderliche Mehraufwendungen für den Brandschutz und die Statik sowie aufgrund der zwischenzeitlich verschärften Energieeinsparverordnung und weiterer Erkenntnisse zur Fassade. Um die Kosten valide berechnen zu können, war eine Etage des Rathausturmes I für Probebohrungen freigezogen und die vorhandene Bausubstanz untersucht worden. Außerdem wurden alle Balkenköpfe der Hängekonstruktion an den Rathaustürmen untersucht und das Schadensbild eingehend dokumentiert.

2019

Bürgerbegehren

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens „Rathaussanierung stoppen!“ reichen am 20. Februar 2019 insgesamt 5.144 Unterstützungsunterschriften ein. Das erforderliche Quorum (4.118) wird erreicht, das Begehren ist aus Sicht der Stadtverwaltung aber  rechtlich nicht zulässig, weil es nicht rechtzeitig eingereicht wurde und außerdem die Fragestellung zu ungenau ist. Der Rat stellt - gestützt auf die juristische Expertise einer auf öffentliches Recht spezialisierten Anwaltskanzlei – am 11. April die Unzulässigkeit des Bürgerbegehrens fest. Am 13. November bestätigt das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen in mündlicher Verhandlung die Entscheidung des Rates.

2020

Umzüge  

Das Rathaus wird schrittweise freigezogen. Die letzten Ämter ziehen im Herbst aus. Die Verwaltung ist jetzt in drei Gebäuden untergebracht: im neuen Stadthaus 1 (auf dem Gelände der Schachtanlage Auguste Victoria 3/7), im Stadthaus 2 (dem sogenannten Riegelhaus am Einkaufszentrum Marler Stern) und im Stadthaus 3 (dem sogenannten Bauturm in der Liegnitzer Straße). Intensiv nachgefragten Dienstleistungen werden weiterhin zentrumsnah angeboten, wie z.B. im Bürgerbüro im Stadthaus 2.
 

Beginn der Sanierungsarbeiten

Mit der Aufstellung des Bauschildes und der Einrichtung der Baustelle beginnen Anfang November nach intensiver Planung und Vorbereitung die Bauarbeiten zur Rathaussanierung.