

Die erste Industrieanlage in Marl stand im heutigen Stadtteil Hamm an der Römerstraße. Es war die Papiermühle "in der Silvert". Sie wurde vom Wasser des Silvertbaches betrieben wurde und gehörte zum "Hof Silvert", einem stattlichen Gutshof. 1767 wurde dem Papiermacher Christian Meyer die Errichtung einer Papiermühle genehmigt mit der Begründung, dass besseres Papier für die Menschen im Vest Recklinghausen hergestellt werden sollte. Das Vorhaben wurde aber erst in den 80er Jahren vom Kaufmann J. Dan. Genius verwirklicht. Die Papiermühle stand an der heutigen Römerstraße. Das Wasser des Silbertbaches wurde in einem künstlich geschaffenen Becken gestaut. Die eigentliche Fabrik war ca. 26 m lang und ca. 6 m breit. Die Papiermühle lieferte Pack-, Druck- und Schreibpapier. 1847 ist als Besitzer der Mühle Josef Rive verzeichnet, der zwei Jahre zuvor das Herrenhaus "Haus Silvert" errichtet hatte. Es war ein besonders ansehnliches zweistöckiges Haus mit Walmdach, das 1894 - vermutlich nach Auflösung der Papiermühle infolge der fortschreitenden Mechanisierung dieses Gewerbezweiges - "zum Abbruch verkauft" wurde. Das Haus wurde vom Bauern Pasing aus Lembeck erworben, der es abreißen und in Lembeck (Foto) wieder aufbauen ließ.

Der sogenannte Schwedenhof stand bis 1995 an der Hammer Straße in Sickingmühle. Er wurde um 1850 errichtet. In Teilen bestand der Hof ver-mutlich aber schon früher, da sein Name offenbar zurück geht auf die Besatzung durch schwedische Truppen in den Befreiungskriegen 1813 bis 1815. In den 80er Jahren scheiterten die Versuche der Stadt Marl, das als erhaltenswert eingestufte Gebäude unter Denkmalschutz zu stellen. Am
2.11.1995 schließlich wurde der Schwedenhof abgerissen, weil Einsturzgefahr bestand und wegen des inzwischen eingetretenen Substanzverlustes die Voraussetzungen für den Denkmalschutz nicht mehr gegeben waren. Heute entsteht auf dem Gelände ein Einzelhandelsgeschäft (Aldi). Das historische Bild entstand 1948.

Die alte Schule Sicking-mühle wurde 1899 errichtet. Bis dahin mussten die Schüler aus Sickingmühle zur Schule nach Hamm gehen. Das war für die Kleinen damals ein weiter und bei schlechter Witterung kaum zumutbarer Weg (die Marler Straße wurde erst 1902/1904 gebaut).
Hinzu kam, dass es damals in der Hammer Schule nur einen Lehrer für 135 Schüler gab. Deshalb wurde 1899 ein neuer Schulbezirk für Sickingmühle und die Dorfbauernschaft Herne festgelegt und der Bau einer einklassigen Volksschule beschlossen. Sie wurde dicht an der Grenze zu Herne errichtet, um auch den Kindern aus der Dorfbauernschaft den Weg zur Schule zu verkürzen. Die Steine für das Schulgebäude wurden von der Ziegelei in Haltern per Lastkahn auf der Lippe herbeigeschafft. Die Sickingmühler Schule war bei ihrer Fertigstellung eine "Heideschule in einem verträumten Heideort" und hatte 63 Schüler. Das sollte sich im Zuge der Industrialisierung und des damit verbunden Zuzugs schon bald ändern ...
Im ehemaligen Schulgebäude befindet sich heute ein Fliesen- und Keramik-Geschäft.