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"Eine kühne Konstruktion aus Stahlbeton"

Das Marler Rathaus
Das Marler Rathaus

Die Fachzeitschrift "Architektur und Wohnform" sprach von einem der "erregendsten Vorgänge(n) auf dem Gebiet des Städtebaus unserer Zeit", die Frankfurter Allgemeine Zeitung von einem "kühnen, schönen Entwurf" und der Merkur sah in Marl das "kühnste und verwegenste Rathaus der Deutschen": Die Marler Stadtplanung und das neue Rathaus fanden in den 50er und 60er Jahren in Deutschland und den europäischen Nachbarländern eine große und ausgesprochen positive Resonanz. Noch Mitte der 80er Jahre, fast 20 Jahre nach seiner Fertigstellung, galt das Rathaus dem Bund Deutscher Architekten als "kühne Konstruktion aus Stahlbeton". Auch heute zieht das Marler Rathaus immer wieder architektur-interessierte Besucher an.

Sprunghafter Anstieg der Bevölkerung

Anlass für den Neubau des Rathauses und des Stadtzentrums war der sprunghafte Anstieg der Bevölkerung nach dem 2. Weltkrieg von ca. 52.000 (1945) auf über 83.000 Einwohner (1957). Für die damit einhergehende Zunahme der Verwaltungsleistungen bot das alte Amtshaus in Alt-Marl nicht genügend Platz. Die Dienststellen der Verwaltung waren über die Stadt verteilt und sollten im neuen Rathaus wieder an einem Standort konzentriert werden. Das Rathaus sollte zugleich Mittelpunkt eines neuen Stadtzentrums sein, das die unterschiedlichen Stadtteile zu einer Stadteinheit verschmelzen und die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer rasant wachsenden Stadt stärken sollte. Darüber hinaus war der Bau des neuen Rathauses verknüpft mit dem Wunsch, den Status einer kreisfreien Stadt zu erzielen.

"Architektonischer Ausdruck einer demokratischen Gemeinschaft"

Die Architekten hatten die Aufgabe, nicht nur ein funktionales Verwaltungsgebäude zu gestalten, sondern "auch und vor allem seine Bedeutung als (...) Symbol städtischer Selbstverwaltung (...) deutlich werden zu lassen". Die Erwartungen waren hoch: Das neue Rathaus sollte "Inbegriff demokratisch-bürgerlicher Selbstverantwortung" und "architektonischer Ausdruck einer demokratischen Gemeinschaft" sein und außerdem "aus unbeteiligten Bewohnern aktive Bürger" machen.

Europäischer Wettbewerb

Für das Rathaus Marl wurde 1957 ein beschränkter europäischer Wettbewerb ausgeschrieben, an dem u.a. die Architekten Johannes Hendrik van den Broek und Jacob Berend Bakema (Niederlande), Arne Jacobsen (Dänemark), Alvar Aalto (Finnland) und Hans Scharoun (Deutschland) teilnahmen. Mit dem ersten Preis wurde von den 12 Wettbewerbsbeiträgen schließlich der Entwurf von van den Broek und Bakema (Rotterdam) ausgezeichnet, der zweite Preis ging an Hans Scharoun (Berlin).

Rathaus als "Stadtkrone"

Die Architekten van den Broek und Bakema stellten sich das Rathaus als "Stadtkrone" vor, um die sich die noch zu planende Stadtmitte in niedrigerer Bauweise entwickeln sollte. Zwei charakteristische Bauformen prägen das Rathaus: das frei gespannte Faltwerk aus Stahlbeton über den Sitzungssälen und die beiden Verwaltungstürme (von denen ursprünglich vier gebaut werden sollten). Die Türme sind über Brücken mit dem Zentralgebäude verbunden. Zwischen dem Zentralgebäude und dem Sitzungstrakt befindet sich ein L-förmiger Gebäudeteil mit den Diensträumen des Bürgermeisters und der Verwaltungsleitung sowie den Räumen für die Fraktionen im Rat der Stadt.

"Hervorragende technische und künstlerische Lösung"

Das Preisgericht bewertete den Entwurf der beiden niederländischen Architekten als "eine hervorragende technische und künstlerische Lösung". "Die Baugruppengestaltung, die durch die Auflösung der Massen in gesonderte (...) Türme charakterisiert wird, zeigt eine feinsinnige Differenzierung der einzelnen Baukörper", urteilte das Preisgericht. "Die Grundrißgestaltung zeugt von großem Reichtum an Ideen und willkommener Spannung der Baumassen, die aus der inneren Zweckbestimmung heraus abgeleitet ist", heißt es u.a. in der Beurteilung.

Faltwerk aus einem Guss

Über den Sitzungssälen spannt sich frei ein 60 Meter langes und 28 Meter breites Faltwerk mit sieben V-förmigen Falten, dessen Dach aus einem Guss gefertigt wurde. Auch innen ist der Sitzungstrakt repräsentativ gestaltet: Die Fußbodenbeläge bestehen aus weißem Marmor und schwarzem Mipolam, die Wände sind ebenfalls mit weißem Marmor, Glasmosaiken und Afzeliaholz verkleidet oder zeigen Betonoberflächen.
Im Erdgeschoss des Sitzungstraktes zeigt das Skulpturenmuseum Glaskasten seit 1979 eine Auswahl seiner Sammlung. Der ursprüngliche ,kleine‘ Glaskasten (ehemals das städtische Verkehrsbüro) wurde 1987 mit einem größeren Glaskasten umbaut und so um einen zusätzlichen Ausstellungsraum erweitert.

Türme mit einzigartiger Hängekonstruktion

Die Türme sind - als erste Bauten ihrer Art in der Bundesrepublik - als Hängehochhäuser konstruiert. Aus den Fundamenten wächst jeweils ein großer Betonkern mit Treppenhäusern und Aufzügen. Auf diesem Kern ruht ein "Pilzkopf", an dem die Hängeglieder befestigt sind, die wiederum die Geschossdecken halten und den Türmen ihre feingliedrige Fassade geben. Türme und Faltwerk sind so gelagert, dass mögliche bergbaulich bedingte Setzungen ausgeglichen werden können.

Witterungs- und Umweltbelastungen

Die Hängeglieder der Rathaustürme, die aus Gründen des Feuerschutzes aus Spannbeton hergestellt worden waren, hielten den wachsenden Witterungs- und Umweltbelastungen auf Dauer nicht stand. In der ersten Hälfte der 80er Jahre mussten deshalb in den Büros zusätzlich Stahlzugbänder eingezogen werden. Die Gestaltung der Fassade blieb dabei weitestgehend erhalten, nur die ursprüngliche Silhouette der Turmdächer musste verändert werden.

Anpassung an aktuelle Standards erforderlich

Heute geben die nicht mehr zeitgemäße Wärmedämmung der Fassade und Beeinträchtigungen des Raumklimas Anlass, zukunftsgerichtet über geeignete Wege einer Anpassung der beiden Türmen an aktuelle Standards nachzudenken.

Literatur:

Rathauszentrum Marl, in: architektur wettbewerbe, Sonderheft, Mai 1958
Deutsche Bauzeitschrift DBZ, Nr. 2 / 1966
Bund Deutscher Architekten BDA, Kreisgruppe Recklinghausen (Hg.): Architektur im Ruhrgebiet. Kreis Recklinghausen, 1986
Stefan Kleineschulte: Das Rathaus in Marl. Zur Bedeutung der Architektur für die politische Sinnstiftung auf kommunaler Ebene, Diss., Bochum 2003
Die Dissertation steht als Download (ca. 20 MB) zur Verfügung:

http://www-brs.ub.ruhr-uni-bochum.de/netahtml/HSS/Diss/KleineschulteStefan/diss.pdf

Das Rathaus (Luftansicht)
Das Rathaus (Luftansicht)
Rathaus: Mittelpunkt eines neuen Stadtzentrums
Rathaus: Mittelpunkt eines neuen Stadtzentrums
Rathausturm
Rathausturm
Modell
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