
23.August 2012





Egal ob Shakespeares "Hamlet" oder "Iphigenie auf Tauris" von Goethe - solche Klassiker verbinden Theaterfreunde selten mit modernem Bühnenspiel. Dass genau das möglich ist, beweist die Reihe "Young Line".
Mit frischen, neuen Stilmitteln versprechen vier Produktionen in der neuen Saison besonders allen jungen Theaterfreunden einen spannenden Kulturabend.
Eine Reise in die Schattenwelt mit Shakespeare
Die mythische Anziehungskraft des Shakespeareschen Dramas „Hamlet" verlangt nach einer zeitgemäßen Form. Peter Müller und Stefan Wey vom Theater Handgemenge haben eine Fassung entwickelt, die in ihrer großformatigen Ästhetik einmalig ist. Sie beleben eine der ältesten Spielformen - das Schattenspiel - mittels moderner Lichttechnik zu einem cineastischen Theatererlebnis. Dabei brechen sie die klassische Tradition, indem sie die beeindruckenden Bilder nicht wie üblich hinter, sondern vor der Leinwand inszenieren. So lassen sie den Betrachter unmittelbar an der Entstehung ihrer „Schattenwelt" teilhaben. Verschmähte Liebe, Brudermord und Hofintrigen bestimmen die Welt des Schlosses Helsingör und stürzen den Prinzen Dänemarks in eine tiefe Sinnkrise. Die Tragödie Hamlets wirft ihre Schatten voraus, wird aber durch die ungewöhnliche Umsetzung zu einem äußerst sinnlichen Erlebnis. So ist der Titel des Stückes, das am 14. März 2013 um 19 Uhr im Theater Marl gezeigt wird, auch sehr passen: „Hamlet://Macht. Schatten. Play".
Von Zeitgeist, Mythos und Emanzipation
Jochen Jahncke hat aus Goethes „Iphigenie auf Tauris" mit dem Jungen Theater an der Ruhr eine Produktion gemacht, die in besonderer Weise Jugendliche anspricht und sich vielen Fragen widmet: Wirkt eine humanistische Superheldin der Gewaltfreiheit, die Vernunft und Gefühl in Übereinstimmung zu bringen vermag, heute nicht hoffnungslos naiv? Was bedeuten die Forderungen nach Selbstbestimmung und Selbstverantwortung in einer gleichgeschalteten Welt von Konsumenten? Ist „Iphigenie" ein Emanzipationsthriller in einer immer noch von Männern dominierten Welt oder die Geschichte einer Exilantin, die zwischen die Fronten von erster und dritter Welt gerät, von Nord gegen Süd - am Strand von Tunis oder Lampedusa? Oder ist im Mythos Iphigenie, in der Utopie, die Welt durch das Engagement des Einzelnen, durch den „guten Menschen" zu einer besseren zu machen, tatsächlich jene geheimnisvolle Kraft der Kunst aufgehoben, die alle Zeit überdauert, die uns jenseits von Zeitgeist bewegt? Ebenso zeigt die Inszenierung am Mittwoch, 5. Dezember 2012, um 19 im Marler Theater, dass auch Komikhelden und „Badelatschen" ihren Platz in einem Klassiker haben können.
„Räuber, wir sind Räuber!"
Trainingsjacken sind die Kostüme in der Produktion „Räuber spielen" vom theater kohlenpott, die am 24. Januar 2013 um 19 Uhr im Marler Theater zu sehen ist. In diese verschiedenfarbigen Adidas-Trainingsjacken schlüpfen die Schauspieler blitzschnell, um ihre unterschiedlichen Rollen zu kennzeichnen. Frei nach Friedrich Schillers „Die Räuber" inszenierte das theater kohlenpott in Co-Produktion mit dem KiJu-Theater Dortmund ein rasantes, aggressives Stück. Es geht um Eifersucht und Intrigen. Die Inszenierung spielt in der Jetzt-Zeit und bedient sich moderner technischer Errungenschaften. Ein Reporter des MDR wird per Videobotschaft zugeschaltet, die Brüder Mohr benutzen immer wieder Videotechnik, um Botschaften zu übermitteln. Harte, elektronische Beats, zu denen die Räuber wie wild über die Bühne tanzen, sich gegenseitig anrempeln und schreien: „Räuber, wir sind Räuber!" bilden den Sound-Hintergrund.
Ermäßigung mit der TM-Card
Karten gibt es im i-Punkt im Marler Stern, Montag bis Freitag 9.30 Uhr bis 18 Uhr, Samstag 9.30 Uhr bis 13 Uhr, Telefon: 02365-994310 oder hier online. Mit der TM-Card für junge Leute bis 20 Jahren zu einmalig 10 Euro kosten diese Veranstaltungen jeweils 3,50 Euro und auch die übrigen Theaterveranstaltungen sind günstiger. Die TM-Card ist ebenfalls im i-Punkt erhältlich.