
Was bedeutet eigentlich Barrierefreiheit? Der Begriff "barrierefrei" ist trotz aller Gesetze, Richtlinien und Initiativen meist nur in Fachkreisen bekannt. Es gibt wenige Nutzer, die sich vorstellen können, dass das Internet seine Grenzen und Barrieren hat. Besonders betroffen sind Senioren und behinderte Menschen. Allgemein herrscht immer noch der Irrglaube, dass ältere und behinderte Menschen das Internet nicht nutzen. Dabei ist der Anteil dieser Zielgruppe in punkto Internetnutzung erstaunlich hoch und diese Tatsache wird von vielen immer noch deutlich unterschätzt.
Barrierefreies Internet bedeutet, dass eine Internetseite für jeden Benutzer lesbar und bedienbar ist. Sowohl unter technischen Aspekten (Browser, Betriebssystem), wie auch bezogen auf die inhaltlichen Gesichtspunkte (Verständlichkeit, Benutzerfreundlichkeit). Zum Beispiel können Blinde nichts mit einer grafischen Navigation anfangen. Sehbehinderte können keine kleinen Texte im Grafikformat lesen. Um allen Menschen den Zugang zu Informationen zu ermöglichen wurden Richtlinien zum barrierefreien Internet entwickelt.
Barrierefreies Internet ist für alle Menschen gedacht. Auf diese einfache Formel lässt sich Barrierefreiheit im Internet reduzieren. Das Internet bietet eine enorme Vielfalt an Informationen und ist gleichsam Wissensspeicher und Fundgrube in einem. Vorausgesetzt, dass alle Informationen für jedermann zugänglich sind, also barrierefrei. Doch was genau bedeutet das, wenn Internetseiten für alle zugänglich sind? Sind sie das nicht ohnehin?
Die Antwort ist "Nein". Verschachtelte Tabellen, fehlerhafter Quellcode und Frames sind nur die Spitze des Eisbergs, warum Internetseiten nicht für alle zugänglich sind. Wer ist von diesem Missstand betroffen?
Barrierefreie Internetseiten haben mächtige Verbündete: Suchmaschinen. Jede Suchmaschine ist blind - Suchmaschinen können kein Layout sehen, sondern nur den reinen Code der Seite und die darin enthaltenen Informationen.
Je weniger verschachtelt und komplex die Seite ist, desto einfacher gelangen nicht nur Menschen an die Informationen, sondern eben auch Suchmaschinen. Und ganz nebenbei bedeutet ein schlankerer HTML-Code auch kürzere Ladezeiten und weniger Traffic-Kosten. Vor allem besucherintensive Portale haben hier ein enormes Sparpotenzial. Barrierefreies Internet bietet integrierte Suchmaschinen-Optimierung samt Kosteneinsparung für die Internetseite.
Die interessanteste Nutzergruppe ist die Generation 50plus, auch Silversurfer genannt. Diese Zielgruppe ist aufgrund der Alterspyramide bereits heute eine stark repräsentierte Nutzergruppe in der Bevölkerung. Etwa 38 % aller Deutschen gehören einer Altersschicht zwischen 50 und 79 Jahren an.
Im Alter lassen Reaktionsfähigkeit, Sehvermögen und andere Fähigkeiten oftmals nach. Das führt dazu, dass ältere Internetnutzer häufig mit geringen Bildschirmauflösungen und veränderten Kontrasteinstellungen ins Internet gehen. Viele Internetseiten lassen diese Einstellungen nicht zu und schließen somit eine der Kaufkraft stärksten Gruppen von der Benutzung der Internetseite aus.
Besonders die Interessenvertreter der Behindertenverbände kämpfen schon lange für ein barrierefreies Internet. Das hat seinen Grund, denn für behinderte Menschen, ob blind, seh-, hör-, oder körperbehindert, ist ein barrierefreies Internet oft die einzige Möglichkeit, um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten oder Besorgungen zu tätigen.
Laut Statistisches Bundesamt sind gut die Hälfte der schwerbehinderten Menschen in Deutschland 65 Jahre und älter, und knapp ein Viertel gehört zur Altersgruppe zwischen 55 und 65 Jahren. Ende 2001 hat die Statistik alleine in Deutschland rund 6,7 Millionen schwerbehinderte Menschen gezählt. Das waren 80.000 mehr, als noch 1999. Bei konstanter Entwicklung werden schon 2010 aufgund der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft und der "Korrelation von Alter und Behinderung" über 10 Millionen schwerbehinderte Menschen in Deutschland leben.
Da Menschen mit leichter bis mittlerer Behinderung (Schwerbehinderte ist man ab einem GdB von mindestens 50) in diesen Zahlen gar nicht enthalten sind, dürfte die tatsächliche Zahl von Menschen mit Behinderung sogar noch deutlich höher sein.
Eine Umfrage des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit hat darüber hinaus gezeigt, dass überproportional viele behinderte Menschen über einen Internetzugang verfügen und das Internet sehr intensiv und mit viel Bedacht nutzen, was sie zu sehr loyalen Kunden macht.
Das Internet ist das Tor zur Welt, das gilt insbesondere für die wachsende Zahl der in Deutschland lebenden Migranten.
Da viele Migranten oftmals die Landessprache nur unzureichend beherrschen, bietet das deutsprachige Internet schon genug Barrieren sprachlicher Natur. Gerade deshalb profitieren Migranten von barrierefreier Informationstechnik, wenn man Ihnen nicht noch weitere Barrieren in den Weg stellt.
Barrierefreie Internetseiten zeichnen sich durch einige offensichtliche Vorteile aus:
Es werden also unterschiedliche Bereiche angesprochen, die für Unternehmen und Institutionen wichtig sind: wirtschaftliche, technische und soziale Komponenten.
Barrierefreiheit bedeutet, dass Internetseiten sowohl plattform- als auch browserübergreifend problemlos dargestellt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um mobile Endgeräte, wie beispielsweise Handy oder PDA handelt oder einen Computer am Arbeitsplatz. Und weil Barrierefreiheit bedeutet, dass Internetseiten auch bei deaktivierten Funktionserweiterungen noch einwandfrei funktionieren, sind barrierefreie Internetseiten in der Lage, nahezu alle potentiellen Nutzer der jeweiligen Seite zu erreichen.
Internetseiten müssen schnell geladen sein, sonst ist der Internetbenutzer frustriert und die wird sich einer anderen Seite zuwenden. Online-Performance wird in Zukunft durch verschärften Wettbewerb noch stärker an Bedeutung gewinnen. Tabellenlose Layouts verschlanken den Quellcode einer Seite enorm. Mit den Möglichkeiten von CSS ergeben sich neue Dimensionen für schnelle und barrierefreie Internetseiten, die nicht mit sinnlosen Bildern und Animationen überladen sind. Das schlägt natürlich auch bei den Traffic-Kosten zu Buche, insbesondere bei großen Portalen mit mehreren zehntausend Besuchern am Tag können beträchtliche Summen eingespart werden.
Barrierefreiheit ist gegenwärtig auch ein emotionaler Faktor, der auch für Unternehmen, Verwaltungen, Vereine und Verbände eine Rolle spielt. Barrierefreiheit bedeutet für Verwaltungen u.a. Image-Gewinn, da sie zeigen können, dass soziales Engagement groß geschrieben und praktisch gelebt wird. Dieser Effekt lässt sich in der Kommunikation positiv auswerten, da Barrierefreiheit nicht zuletzt ein hohes PR-Potential mitbringt.
Barrierefreiheit ist letztendlich eine Frage der Qualitätssicherung und der Nachhaltigkeit, denn barrierefreie Webseiten sind in allen Browsern zugänglich, das bedeutet rückwärts und vorwärts kompatibel und somit schon heute für die Zukunft gerüstet. Durch den Einsatz von CSS und die Trennung von Inhalt und Design, wird ein zukünftiger Pflegeaufwand der Inhalte deutlich geringer, da der Inhalt getrennt vom Design gepflegt und verwaltet werden kann. Das betrifft natürlich auch eine zukünftige Änderung des Designs, das ebenfalls getrennt vom Inhalt angepasst werden kann.
Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, im Rahmen eines Internet-Auftrittes den Zugriff für behinderte Menschen zu erschweren oder sogar zu verbauen. In vielen Fällen geschieht dies aus Unkenntnis und fehlendem Vorstellungsvermögen. Oder der Glaube, Behinderte seien nicht die Zielgruppe, oder ein neuer beziehungsweise extra Internetauftritt sei zu teuer.
Für behinderte Menschen gewinnt das Internet zunehmend an Bedeutung für die soziale und berufliche Integration. Sie können per Internet wieder viele Dinge des Alltags selbständig erledigen und ihre gesellschaftliche Mobilität erhöhen. Das erfordert aber einen barrierefreien Zugang zu diesem neuen Medium.
Grundsätzlich zu unterscheiden ist zwischen Menschen mit Sehschäden, Farblinden und Blinden. Durch spezielle Monitore und entsprechende Software, die es ermöglichen Text auf die individuellen Bedürfnisse hin zu vergrößern bzw. den Text mittels Sprachausgabesystem vorzulesen, können diese Menschen am PC arbeiten. Damit die Informationen einer Website auch für Sehbehinderte, Farbblinde und Blinde zugänglich sind, sollte vor allem auf umfangreiche Tabellen (nahezu unmöglich vom Sprachausgabesystem auszulesen), unbetitelte Bilder und auf Farbspiele verzichtet werden.
Während sich für einen Rollstuhlfahrer wenige Probleme beim Umgang mit dem PC ergeben, versucht ein Mensch ohne Hände anhand von Hilfsmitteln wie zum Beispiel für Mund, Kopf, etc. an die Informationen auf dem Bildschirm zu gelangen. Für ihn ist es vor allem wichtig, nicht nur per Mausklick auf die entsprechende Ebene zu gelangen sondern auch per Tastatureingabe.
Da Verwaltungen und Unternehmen vermehrt Wert darauf legen, bei der Gestaltung ihres Internetauftritts Video und Sound zu integrieren, sind schwerhörige und taube Menschen die zweitwichtigste Gruppe, auf die eingegangen werden muss. Für diese Menschen sollte die Website so aufgebaut sein, dass jedes Nicht-Text-Element auch als Text-Dialog abrufbar ist. Das kann durch Untertitel oder auch durch separate Seiten gelöst werden.
Sprachstörungen treten häufig in Kombination mit einer anderen Behinderung auf. Hervorgerufen wird diese Art von Behinderung z.B. bei der Krankheit Multiple Sklerose oder Autismus sowie bei Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben. Der Inhalt eines Internetauftritts sollte so gestaltet sein, dass der Benutzer die Geschwindigkeit des Ablaufs auf seine individuellen Bedürfnisse hin einstellen kann.
Menschen mit geistiger Behinderung , wie Dyslexie-Patienten oder Epileptiker, profitieren von kurzen und einfachen Inhalten. Auf blinkende Animation sollten Gestalter und Entwickler von Internetauftritten verzichten, da unter Umständen ein Anfall ausgelöst werden kann.
(Texte im Navigationspunkt "Basisinformationen" inhaltlich übernommen und geringfügig angepaßt aus den Quellen:
http://www.barrierefreiesinternet.de/
http://www.barrierekompass.de/barrierefreiesinternet.php
http://www.bik-online.info/bik/index.php
http://www.barrierekompass.de/index.php
http://www.barrierefreiesinternet.de/nt_vorwort.htm
http://www.einfach-fuer-alle.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Barrierefreies_Internet
http://www.barrierefreies-webdesign.de/
http://www.bund.de/nn_188646/DE/VuI/A-Z/B-wie-Beihilfe/Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung--BITV-/Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung--BITV--knoten.html__nnn=true