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Architektur-Juwel erstrahlt in neuem Glanz

Überzeugten sich von der besonderen Akustik und vom neuen Sitzkomfort in der frisch sanierten Aula der Scharounschule: Dr. Barbara Duka, Erste Beigeordnete der Stadt Marl und Roswitha Schweinsberg, Leiterin der Aloysiusschule (vorne) sowie Jörg Preckel, Geschäftsführer des Architektenbüros Pfeiffer Ellermann Preckel (Münster) und Theo Beltrop vom Amt für Immobilienwirtschaft der Stadt Marl (jeweils von links nach rechts).
Die Klassenzimmer in der Scharounschule punkten mit großen Fensterfronten, schrägen Decken und vielen Ecken. Foto: Susan Feind
Vor den Klassenzimmern gibt es Terrassen, die zum Unterricht unter freiem Himmel einladen. Foto: Susan Feind

Die Scharounschule Marl – eine Ikone der modernen Architektur und des organhaften Bauens des Architekten Hans Scharoun – erstrahlt in neuem Glanz. Das denkmalgeschützte Schulgebäude wurde umfassend saniert und wurde am 19. August mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür offiziell wieder eröffnet. Die Besucher konnten sich selbst davon überzeugen: In diesem Schulgebäude werden Architektur und  Lernen zum Erlebnis!

„Wir freuen uns, dass die fachgerechte Sanierung unserer  Scharounschule abgeschlossen ist und dieses architektonische Schmuckstück dauerhaft als einzigartiger Ort des Lernens und der Begegnung erhalten werden konnte“, sagte die Erste Beigeordnete Dr. Barbara Duka heute bei der Präsentation des rundum erneuerten Gebäudes, das gemeinsam von der städtischen Musikschule und der Aloysius-Grundschule genutzt wird. Insbesondere die Erneuerung der Aula – sie gilt als „kleine Schwester“ der von Scharoun erbauten Philharmonie Berlin – eröffne „zusätzliche Perspektiven, das Profil der Scharounschule als musisches und kulturelles Zentrum zu schärfen“.

Sanierung als anspruchsvolle Herausforderung

Die Sanierung der Aula stellte Planer und Handwerker zum Abschluss der Baumaßnahmen noch einmal vor besondere Herausforderungen. Denn für den neuen Farbanstrich der Decke war ein tonnenschwerer Spezialkran mit extremem Ausleger erforderlich, für den eigens ein statisch berechnetes Podest angefertigt werden musste. 

„Die Sanierung der Scharounschule mit ihrer komplexen Gebäudestruktur, ihrer ausgeprägten Formensprache sowie auch den Schäden, die der Zahn der Zeit dem Gebäude zugefügt hatte, war eine außerordentlich anspruchsvolle Aufgabe“, sagt Jörg Preckel, Geschäftsführer des Architektenbüros Pfeiffer Ellermann Preckel (Münster), das das Nutzungs- und Sanierungskonzept entwickelt und umgesetzt hat.

Architektur, Denkmalschutz und energetische Sanierung

Die besondere Herausforderung bestand darin, die beiden neuen Nutzungen als Musikschule und Grundschule zu berücksichtigen, der besonderen Architektur des Gebäudes und den Anforderungen des Denkmalschutzes gerecht zu werden und zugleich die hohen aktuellen Ansprüche an die energetische Sanierung zu erfüllen.

Seit Beginn der Sanierung 2009 haben Projektleiter Christoph Ellermann und Oberbauleiter Karl Beckschulte mit Unterstützung von Theo Beltrop vom Amt für Gebäudewirtschaft der Stadt Marl unzählige Gewerke und Einsätze von Handwerks­betrieben koordiniert und immer wieder individuelle Lösungen gefunden, um die Sanierung des komplexen Gebäudes mit seinen 16 „Schulwohnungen“, Werk- und Gemeinschafträumen sowie Außentrassen voranzubringen.

In enger Anlehnung an die ursprüngliche Planung von Hans Scharoun wurden Schäden an den Beton- und Verblenderflächen behoben, Decken, Fenster und Holzfassaden zum Teil komplett ausgetauscht, Wände und Boden­aufbauten erneuert sowie zugewachsene Innenhöfe wieder von Wildwuchs befreit. 

Insbesondere die vielgestaltige Dachlandschaft mit den Dächern der wabenförmigen „Schulwohnungen“ stellte Planer wie Handwerker vor besondere Herausforderungen, da hier extrem differenzierte Wandabschlüsse, unterschiedliche Materialien, Dachformen und Entwässerungssysteme in Einklang gebracht werden mussten. 

Detektivischer Spürsinn und akribische Detailarbeit

Die Anforderung, bei der denkmalgerechten Sanierung möglichst Originalmaterialien zu verwenden, verlangte zuweilen detektivischen Spürsinn. Mitunter waren die beim Bau der Schule verwendeten Materialien heute nicht mehr üblich, sodass z.B. ein Hersteller für die benötigten Glasbausteine erst nach ausführlichen Recherchen im Ausland ausfindig gemacht werden konnte, oder es musste – wie im Falle der Waschbetonplatten für die Hauptzugänge in den Außenbereichen - intensiv nach einem Produkt mit vergleichbarer Struktur und Zusammensetzung „gefahndet“ werden. In anderen Fällen mussten Elemente aufwändig nachgebaut bzw. rekonstruiert werden, wie etwa Sonnenschutzelemente aus Aluminium an den Außenfassaden der Schulwohnungen.

Mit  Hilfe von Fachrestauratoren konnten schließlich auch alle ursprünglichen Farbfassungen weitestgehend erforscht und rekonstruiert werden, sodass sich die meisten Räume heute wieder in ihrer originalen Farbgebung präsentieren.


Auch von oben betrachtet ist die Scharounschule ein architektonisches Meisterwerk. Foto: Metzendorf
Bauarbeiten an der Decke der Aula. Foto: Metzendorf
Einige Gebäudeabschnitte sind mit einem überdachtem Weg miteinander verbunden.

Innovative Technik wiederbelebt

Darüber hinaus ist es den Fachleuten gelungen, das dezentrale Belüftungssystem für die Klassenräume – eine innovative Idee Scharouns, die leider nicht von Erfolg gekrönt war – zu beleben. Die Klassen- und Fachräume werden nun von  technisch ausgereiften Lüftungsgeräten über sogenannte Weitwurfdüsen mit konfektionierter Frischluft versorgt, die Grundbeheizung übernehmen Heizkörper.

„Dank der intensiven Zusammenarbeit der fachlich beteiligten Statiker, Bauphysiker, Denkmalpfleger und Architekten sowie einer akribischen und innovativen Detailarbeit konnten an der Scharounschule in Marl visuelle Beeinträchtigungen verhindert oder auf ein Minimum beschränkt und die aktuellen Anforderungen an die energetische Sanierung vollumfänglich erfüllt werden“, lautet denn auch das Fazit von Jörg Preckel zur mehrjährigen Sanierung des außergewöhnlichen Schulgebäudes.

„Die Architektur begeistert alle“

Und wie kommt die „neue“ Scharounschule bei den Schülern und Lehrern an? „Alle Lehrerinnen und unser Lehrer sowie alle Kinder fühlen sich in den neuen Räumlichkeiten sehr wohl, sagt Roswitha Schweinsberg, Leiterin der katholischen Aloysius-Grundschule, die am 1. April in die Scharounschule umgezogen ist. „Die Architektur begeistert alle und lädt zum Lernen und Sich-Wohlfühlen ein“. Die Schule werde jetzt ein neues Schulprofil entwickeln, das in Kooperation mit der Musikschule einen besonderen Schwerpunkt auf die kulturelle Bildung lege.

Die neue Scharounschule wird zum musisch-kulturellen Zentrum

Für Günter Braunstein, Leiter der städtischen Musikschule, bietet die Architektur der Scharounschule „optimale Voraussetzungen, allen Interessierten ein Forum für die musische Ausbildung in den unterschiedlichsten Facetten zu bieten und das Schulgebäude zu einem musisch-kulturellen Zentrum zu machen“. Dazu werde die städtische Musikschule, die seit 2007 in der Scharounschule zu Hause ist, „ein musisches Erlebnisprogramm“ entwickeln, das die gesamte Bandbreite der Musik umfasst und auch benachbarte künstlerische und kreative Bereiche mit einschließt. Braunstein: „Die Musikschule soll ein Ort sein, an dem alle musikalischen Ausrichtungen sowie Musik- und Kunstgruppen sich heimisch fühlen und präsentieren können, und die Scharounschule zu einer Begegnungsstätte für Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft werden“.  Zusätzliche Angebote aus den Bereichen Tanz, Theater, Kleinkunst  und  der bildende Kunst sollen Hemmschwellen überwinden, zum Mitmachen einladen und  die Vernetzung der Kulturen sowie das Miteinander im Stadtteil und darüber hinaus fördern.

Langfristige und gute Investition in Bildung und Kultur


Die Sanierung der Scharounschule hat ca. 10,5 Millionen Euro gekostet. Das Geld stammt zum größten Teil aus Fördermitteln des Landes NRW zur Stadterneuerung und zur energetischen Sanierung (6,9 Mio. Euro). Der Eigenanteil der Stadt Marl beträgt entsprechend ca. 3,6 Mio. Euro. Dr. Barbara Duka: „Die überaus gelungene Sanierung zeigt, dass jeder Euro, der für den Erhalt dieses baugeschichtlich wertvollen Gebäudes als Schule und musisch-kulturelles Zentrum ausgegeben wurde, eine langfristige und gute Investition in die Bildung und Kultur und somit auch in die die Zukunft unserer Stadt darstellt“.

„Tag der offenen Scharounschule“ zur Wiedereröffnung am 19. August


Mit einem Tag der offenen Tür wird die Scharounschule am 19. August offiziell der Öffentlichkeit übergeben.
Nach dem Festakt in der Aula (11 Uhr), zu dem in Vertretung von Michael Groschek, NRW-Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, Staatssekretär Michael von der Mühlen erwartet wird, präsentieren die städtische Musikschule und die Aloysius-Grundschule von 15 bis 18 Uhr in ihren Räumlichkeiten u.a. musikalische Beiträge, Theater, Märchen und vieles mehr. Wer mehr über die  Architektur und Sanierung der Scharounschule erfahren möchte, kann an fachkundigen Führungen teilnehmen. Für kleine Speisen und Getränke sorgt der Förderverein der Aloysiusschule. Beim Gala-Abend (19 Uhr) in der Aula  spielen Dozentinnen und Dozentin der Musikschule Top-Hits der Klassik und der Pop-Musik.

 

 


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Video zur Eröffnung

Broschüre zur Scharounschule