
Die "Himmelsachse" (1996) der Darmstädter Künstlerin Vera Röhm vor dem Theater Marl lenkt die Blicke auf den Polarstern. Die Skulptur ist eine Dauerleihgabe für das Skulpturenmuseum Glaskasten.
Die fast acht Meter lange, spitz zulaufende Edelstahlstange wächst aus einem kreisrunden Bodensegment (Durchmesser 3 m) aus Corten-Stahl heraus. Die schräg verlaufende Stange folgt in ihrer Ausrichtung der Erdachse, die genau auf den Polarstern ausgerichtet ist. In die Bodenplatte sind die topografischen Bestimmungsdaten des ersten Standorts der Plastik in Darmstadt kreisförmig eingraviert. "Vera Röhm hat mit diesem Stab eine ‚Himmelsachse‘ installiert, einen Hinweis auf astro-physikalische Zusammenhänge im Universum: Ausgehend von der Rotationsachse der Erde, die durch den geographischen Nordpol und Südpol verläuft, zeigt sie die gedachte Verbindung zum Himmelsnordpol", schreibt Lida von Megden zu dieser ästhetischen Umsetzung eines naturwissenschaftlichen Phänomens.
Die Künstlerin kam zu dieser Lösung nach einem Besuch der historischen Observatorien in den indischen Städten von Neu Dehli, Jaipur und Uijain. Vera Röhm hat sich neben anderen Arbeiten besonders mit der ästhetischen und künstlerischen Aufarbeitung der Gesetzmäßigkeiten von astronomischen Lichtverläufen beschäftigt. Ihre fotografische Dokumentation der erwähnten indischen Beispiele bilden eine beeindruckende Serie.
Der Standort vor dem Theater wurde bewusst gewählt: Auf der einen Seite steht die Bühne mit den "Brettern, die die Welt bedeuten", auf der anderen Wolf Vostells Skulptur "La Tortuga" mit der auf dem Rücken liegenden Dampflokomotive, die als Symbol der Vergänglichkeit von Technologien die Zeitlosigkeit der kosmischen Gesetze konterkariert.
„Himmelsachse" (1996), Edelmetall, Länge 7,20 m, Durchmesser 139,7 mm, Sockelplatte Cortenstahl, Durchmesser 3 m.
| 1943 | geboren in Landsberg/Lech aufgewachsen in Genf und Darmstadt |
| 1961-67 | Studium an der Académie Charpentier, Paris und der Ecole Cantonale des Beaux-Arts et des Arts Appliqués, Lausanne |
| 1968 | Arbeitsaufenthalte in New York, New Mexico und Kalifornien |
| 1969 | entstehen in Paris die ersten plastischen Arbeiten |
| seit 1972 | Metall- und Steinarbeiten in Kombination mit Plexiglas; Tetraeder mit Einschnitten, berechnet nach Halbierung der Winkel oder der Schenkellänge im Grundriß des Dreiecks, Beginn von photografischen Arbeiten |
| seit 1975 | Materialergänzungen, Winkelergänzungen (Konstruktivistische Objekte aus Holz und Plexiglas) und Installationen in der Landschaft mit Ergänzungsstäben nach verschiedenen Grundrissen |
| ab 1977 | photografische Arbeiten auf Leinwand, Stützwerke |
| seit 1983 | Schatten-, Sonnen-, Tageszeiten, Zeichnungen, Reliefs, Plastiken und Installationen zum Thema Zeit/Bewegung; Fixierung des Schattenwandels eines geometrischen Körpers während eines Tages |
| ab 1986 | verstärkte Hinwendung zu Stahlskulpturen zum Thema Schatten-Sonnen-Tageszeiten |
| ab 1990 | Mitglied der Darmstädter Sezession |
| 1995 | Reise nach Indien, um in Neu-Delhi, Jaipur und Ujjain historische Observatorien zu dokumentieren |
| 1997 | Wilhelm-Loth-Preis der Stadt Darmstadt |
| 2003 | Johann-Heinrich-Merck-Preis, Darmstadt |
| 2005 | lebt und arbeitet in Darmstadt und Paris |