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Marl von A-Z

Lupe

Von Angesicht zu Angesicht

Kopf in Messing von Rudolf Belling (1925).

Seit Beginn der Bildhauerei war der Mensch ein zentrales Thema und damit auch sein Kopf, der oftmals als pars pro toto verstanden wurde, als Teil also, welches für den gesamten Menschen steht. Das Thema hat für die Künstler bis heute nichts von seiner Faszination verloren, lediglich die Darstellungsmöglichkeiten erfuhren durch neue Materialien und Medien eine Erweiterung.

Die Ausstellung „Von Angesicht zu Angesicht" präsentiert Beispiele der bildhauerischen und künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema `Kopf´ vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis hin zur Gegenwart.

Trotz der Wirkung der künstlerischen Handschrift oder einer gewissen Abstraktion, bleiben die in der Ausstellung gezeigten Köpfe bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts meist dem Porträt verhaftet. So können wir mit dem Wissen um die Physiognomie der oder des Dargestellten, diese Person ohne weiteres erkennen, wie zum Beispiel die Schauspielerin Tilla Durieux in Barlachs plastischem Porträt aus dem Jahre 1912, dem der Nofretete ähnelnden Porträt der Tänzerin Sent M'Ahesa von Bernhard Hoetger (1917) oder aber dem Selbstbildnis von Käthe Kollwitz in ihrem Relief `Die Klage´ aus dem Jahre 1938, in dem sie ihrer Bestürzung über den Tod des Künstlerfreundes Ernst Barlach auf eindringliche Weise Ausdruck verleiht.
Andere Köpfe zeigen sicherlich noch individuelle Züge, sind aber nicht mehr als identifizierbare Darstellungen einer bestimmten Person zu verstehen. Dies gilt für die Köpfe Josef Enselings, der Angehörige unterschiedlicher Berufsgruppen darstellte, oder auch für den `Frauenkopf´ (1925) von Henri Laurens, der einer spätkubistischen Geometrisierung unterworfen wurde.

Zwar finden sich auch nach 1950 immer wieder Porträtdarstellungen (Bernhard Heiliger, Karl Hofer, 1951; Karl Hartung, Porträt Professor Heuss, 1959 oder Gustav Seitz, Bertolt Brecht, 1967), doch lässt sich eine deutliche Tendenz zur Entindividualisierung der Physiognomien ablesen, die letztendlich darauf abzielt, menschliche Wesenszüge und Reaktionen in einer allgemeineren Form sichtbar zu machen. Andere Bildhauer/innen (Hans-Joachim Albrecht, Hede Bühl, Herbert Zangs) setzen sich mit dem Kopf als Form auseinander und verzichten so auf individualisierende Züge. Eher auf das Denken des Menschen, also dem was im Kopf geschieht, rekurrieren u.a. die Arbeiten von Arman, Eduardo Paolozzi und Marcel Jean.

Auch in den Neuen Medien, besonders im Bereich Video, wird der menschliche Kopf immer wieder thematisiert. So unternimmt Timm Ulrichs mit Hilfe medizinischer Technik eine `Reise zum Mittelpunkt des Ichs´ (1997), indem er den tiefsten Punkt seines Kopf auf der Basis einer kernspintomografischen Aufnahme visualisiert. Auch die von starker Mimik geprägten Gesichter, die Beate Geissler und Oliver Sann in ihrem Video `Shooter´ (2000/01) zeigen, zielen nicht auf die individuelle Darstellung, sondern auf die sich in Blick und Mimik äußernde Anspannung von Teilnehmern an einem `Ego Shooter´-Videospiel..

Die meisten Exponate der Ausstellung stammen aus der Sammlung des Skulpturenmuseums Glaskasten Marl, und die Videos wurden von den Künstler/innen - alle Teilnehmer an den Marler Video-Kunst-Preisen der vergangenen Jahre - zur Verfügung gestellt. Weitere Skulpturen sind Leihgaben aus einigen der RuhrKunstMuseen, einem Verbund von zwanzig Museen des Ruhrgebietes, die sich anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2010 zu einer nachhaltigen Kooperation zusammengeschlossen haben.

 

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